Über mich

1966 geboren und aufgewachsen am Rande des Kaufunger Waldes in der Nähe von Kassel, verbrachte ich meine Kindheit zunächst in einem relativ homogenen Gemeindeverbund. Dies änderte sich gegen Ende der 1960er Jahre schlagartig, als die - wie man sie damals nannte - "Gastarbeiter" auch in unserem kleinen Dorf ankamen und Beschäftigung fanden.

Am Ende unserer Straße gab es eine Ziegelei, in der nach und nach viele Menschen u. a. aus der Türkei, Spanien, Portugal und Italien eine Arbeit aufnahmen. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Wochenenden in dieser Zeit. Am Sonntag legten die ausländischen Arbeiter ihren „feinsten Zwirn“ an und flanierten durch unser Dorf. Einige dufteten nach Rosenwasser und ich sehe sie noch heute vor mir in strahlend weißen Hemden und Sonntagsanzügen in gedeckten Farben gekleidet mit ihrem dunklem Teint an unserem Haus vorbeispazieren. Einige hielten Gebetsketten in ihren Händen und murmelten im Gehen etwas vor sich hin. Als kleines Kind bemerkte ich ihre Andersartigkeit sofort und war neugierig. So sahen die meisten nicht nur anders aus als wir, sondern mir fiel noch etwas auf: ihr trauriger Blick. Dieser verschwand, wenn sie uns Kinder bemerkten und uns zulächelten. Für mich war es ganz offensichtlich, sie schienen etwas zu vermissen.

 

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts mit Begriffen wie Heimat, Heimweh oder Fremdheit anfangen konnte, nahm ich einfach nur diese Traurigkeit wahr. Ich erinnere mich, wie ich versuchte, Kontakt mit den neuen Bewohnern aufzunehmen, weil ich wohl instinktiv spürte, dass sie es gut mit uns Kindern meinten. Bei einigen einheimischen Erwachsenen stieß mein Verhalten auf völliges Unverständnis, wenn nicht sogar Entsetzen. Ich bemerkte eine starke Ablehnung und Furcht ihrerseits und entsinne mich an ganz konkrete Warnhinweise an mich, den Fremden doch bloß nicht zu nahe zu kommen. Von nun an beschränkten sich meine Kontaktversuche meist nur auf ein Lächeln. Ich passte mich der Erwartung meiner sozialen Umgebung an, doch beschäftigte mich eine Frage noch sehr lange: "Warum sollte ich den einheimischen Erwachsenen vertrauen, wo ich doch genau spürte, dass sie sich täuschten?"

Meine Begeisterung für Menschen und kulturelle Vielfalt entflammte wohl in diesen frühen Jahren und lässt mich bis heute nicht los.

 

Derzeit werde ich von der Sächsischen Aufbaubank (SAB) und aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Klicken zur Ansicht:

 

 

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